3D-Druck

Der Ender-Drache ist im Haus!

Veröffentlicht: 06.12.2021 | Letztes Update: 18.10.2022

Vor nicht all zu langer Zeit, habe ich einen Blog über meine ersten FDM 3D-Drucker »ELEGOO Neptune 2S« geschrieben. Nun habe ich mir einen weiteren FDM 3D-Drucker gekauft. Und zwar einen »Creality Ender 3V2«. Auf der einen Seite hat es sich angeboten, da auf 3DJake ein Angebot von 209 EUR anstatt 299 EUR angepriesen wurde und zum anderen, weil ich es mittlerweile satt bin, dass es zig Erweiterungen und Ersatzteile für den Ender 3 gibt, aber nicht für den Neptune 2S.

Erst mal das Positive

Als ich den Ender 3V2 ausgepackt und Stück für Stück zusammengebaut habe, war ich auf jeden Fall erst mal positiv überrascht. Denn der Ender 3V2 ist in vielerlei Hinsicht wertiger als der Neptune 2S. Die Hotend-Abdeckung des Ender 3 V2 ist nicht nur an den Wagen der Z-Achse angeschraubt, sondern noch zusätzlich angeklippst und mit einer Blende am Überhang rechts (der Kopf sitzt nach rechts versetzt am Wagen) verstärkt. Da wackelt nichts, da knarzt nichts und die Abdeckung macht auch einen sehr wertigen Eindruck. Beim Neptune 2S ist die Abdeckung nur mit zwei kleinen Schräubchen am Wagen befestigt und das war's.

Dazu kommt, dass die Schrittmotoren des Ender 3 V2 auch viel leiser sind als beim Neptune 2S. Und sie haben noch kleine Warnhinweissticker. :D Was mir beim Anbau des CR-Touch (Crealitys BLTouch Klon) aufgefallen ist, dass der Stromeingang mit einer handelsüblichen austauschbaren Fahrzeugsicherung von 10 Ampere und keiner aufgelöteten Sicherung abgesichert ist.

Dann ist bei dem Drucker auch noch ein kleines Rädchen dabei, dass man auf den Zapfen des Extruder-Schrittmotorrotors stecken kann, damit man das Filament leichter einführen kann. Dazu kommt, dass bei der V2 vom Ender 3 nun auch ein Ablagefach mit integriert ist, das allerdings nicht so schön geordnet ist, wie das zusätzlich druckbare für den Neptune 2S. Man schmeißt das Geraffel einfach so rein.

Jetzt zum (eher) Negativen

Weil ich beim Anbau des CR-Touch schon dabei war, habe ich auch gleich den Bowdenschlauch gegen einen wertigeren von Capricorn getauscht. Hier zeigte sich auch schon das erste vorprogrammierte Problem. Denn der mitgelieferte Bowdenschlauch wurde an beiden Ende schief abgeschnitten.

Standard Bowden Creality Ender 3V2

Das kann zur Folge haben, dass sich mit der Zeit zwischen dem Schlauchende und der Düse Filamentreste und Dreck ansammeln und so die Düse verstopfen sowie den Fluss behindern. Sowas geht echt nicht! Der Vorteil des Capricorn PTFE-Schlauches ist auch, dass er bis 340°C hitzebeständig ist. Der normale geht nur bis maximal ~280°C. Somit ist es auch möglich, mit dem Capricorn ABS zu drucken, ohne dass man Angst haben muss, dass der Schlauch am Ende schmilzt.

Dann hätten wir da noch die Stellräder für das Bett. Diese sind mein Ender 3 Klassik wie auch beim V2 aus Plastik. Selbst Elegoo war bei seinem Neptune 2S so schlau und hat die Plastikstellräder vom Neptune 2 Klassik gegen welche aus Metall getauscht. Auch beim Extruder hat sich - abgesehen vom Rädchen - nichts sonderbares getan. Nach wie vor der normale Plastikextruder, mit einem Führungszahnrad und einem Mitläuferrädchen. Muss an sich nicht schlecht sein, macht aber auch keinen sonderlich zuverlässigen Eindruck.

Stellräder ELEGOO Neptune 2S
Stellräder Creality Ender 3V2

Auch hier werde ich beim Ender 3V2 die gleichen Stellräder nachrüsten. Denn stößt man nur mal so ein Bisschen an die Plastikräder dran, verstellen sie sich sofort. Somit ist dann das Autoleveling Grid wieder für die Katz.

Und weil wir gerade beim Extruder sind. Das Eingangsloch ist so nah an der Z-Achsen-Führungsstange, dass die Gefahr groß ist, dass das Filament an der Führungsstange reibt. Hier muss man sich extra eine Führung drucken, damit das Filament auch allgemein besser geführt wird.

Creality Ender 3V2
ELEGOO Neptune 2S

Auf dem Bild links leider nicht ganz so gut zu sehen: Es ist schon noch etwas Platz zwischen Spindelstange und Extrudereingang. Das macht ELEGOO echt viel besser. Hier werde ich auf jeden Fall den gleichen beim Ender 3V2 nachrüsten.

Zu guter letzt die Firmware des Ender 3V2. Ich bin es vom Neptune 2S gewohnt, dass ich ihn einschalte, dann das Druckbett vorheize und dann mit einem Knopfdruck autolevle - vorher natürlich mit manuell vorgeleveltem Druckbett. Dabei läuft der Druckkopf bzw. BLTouch dann 9 Punkte ab und erstellt so ein s.g. Grid, welches die Koordinaten der Unebenheiten des Druckbets und die Nivellierung dieses beinhaltet. Im Anschluss fährt der Druckkopf in die Mitte, damit der Z-Offset eingestellt werden kann. Ist das geschehen, kann es auch gleich zum Drucken gehen.

Aber falsch gedacht! Bekanntlich sagen Bilder oft mehr als 1000 Worte. Für ein Hilfegesuche auf einem Discord Server, habe ich deshalb ein Video gedreht. Hier zum Anschauen:

Nach ein Bisschen Recherche, bin ich auf eine individuelle Firmware von Jyers gestoßen - in meinem Fall unter Releases »E3V2-UBL-BLTouch-10×10-v4.2.2-v2.0.1.bin«. Diese Firmware verbessert wirklich einiges, wozu der Hersteller selber scheinbar zu faul ist. Das Autobedleveling ist nun ähnlich so, wie ich es von meinem Neptune 2S kenne. Als erstes levelt man manuell das Bett, damit es einigermaßen parallel zur Z-Achse ist - auch auch soweit in Waage. Dann heizt man das Druckbett auf 60°C vor und geht auf »Level«. Nun erstellt man mittels des Menüpunktes »Create new Grid« ein neues "Bett-Level-Raster". Hier fährt der CR-Touch 100 Punkte auf dem Druckbett ab (beim Neptune 2S nur 9) und erstellt so ein Raster der Unregelmäßigkeiten. Anschließend stellt man wie gewohnt zum Schluss den Z-Offset ein.

So, nun haben wir ein neues Raster erstellt, dessen Unebenheiten die Z-Achse, dank der verbesserten Firmware, gut ausgleichen kann. Und hier beginnt nun der erste Testdruck! Bei fast jedem 3D-Drucker ist auch immer eine kleine Menge Filament für die ersten Testdrucke dabei - so auch mein Ender 3V2. Dieses ist anständig in einem vakuumierten Plastikbeutel eingepackt. Aber ohne Silikatbeutel zum Trockenhalten! Die Haptik des Filaments ist schon mal gewöhnungsbedürftig. Es fühlt sich sehr rau an. Das einzige was positiv auffällt, ist der Geruch von Curry. Allerdings ist der Druck der Testkatze sehr schlecht. Eines der in das Modell eingearbeiteten Supports bricht während des Druckens ab und der Drucker druckt in die Luft.

Wie man auf dem Cura Bild rechts sieht, handelt es sich um den Support für den Winkearm der Katze. Der Hersteller hat hier lediglich mit Skirt gesliced, wo bei kleinen Flächen solche Probleme vorprogrammiert sind. Mit Brim hätte der Support mehr Haftung. Leider haftet diese spezielle "Carbon-Glas-Platte" nicht so gut, wie die des Neptune 2S. Da nutzt es auch nichts, wenn man die Platte bis zum Umfallen reinigt. Aber auch das Testfilament an sich ist nicht gerade das Beste, da es entweder feucht geworden ist oder viele Lufteinschlüsse hat. Man hörte immer wieder ein leises Knallen. Aber, der Testdruck klappte selbst mit meinem Bavaria Filaments Kalibrationsfilament nicht.

Nun fangen wir mir der Kalibration von vorne an

Eigentlich wollte ich dann eine Kalibrationswürfel von Thingiverse drucken, doch dann entschied ich mich gleich mit der Kalibration zu beginnen. Hier bin ich wieder nach dem "tollen" Einstellfahrplan nachgegangen, der auch nicht gerade besonders Einsteigerfreundlich ist, da man sich ein paar Dinge zusammenklicken muss. Aber man soll sich schließlich laut deren Einstellung auch die Mühe machen, wenn die sich die Mühe machen. Na ja…

Als erstes habe ich die Extrusion nach 3DPrintBeginner.com durchgeführt, da es dort einfach übersichtlicher ist und es einen schnieken Kalkulator für die Extrusionsrate gibt. Anschließend dann die PIDs getuned. Danach habe ich dann ein entsprechendes frisches Profil, wie in MEINEM "Einstellfahrplan", in Cura erstellt.

Dann habe ich mit dem Drucken des Heat Towers der 3D-Druck-Community angefangen.

Hier ein Vergleich der gedruckten Heat Tower beim Creality Ender 3V2 und ELEGOO Neptune 2S:

Bild #1 - Seitenansichten
Bild #2 - Bodenansichten

Links jeweils der Creality Ender 3V2 und links der ELEGOO Neptune 2S. Wie auf Bild #1 links zu sehen ist, Druck der Ender 3V2 viel sauberer und ruhiger, als der Neptune 2S. Rechts auf der Seite des Neptune 2S ist zu sehen, dass sich ein Muster von vertikalen Strichen abzeichne, was stark an Ghosting erinnert. Das liegt u.a. an einem unruhigen Lauf, ausgelöst durch fehlerhafte Rollen des Druckkopfes. Hier habe ich schon nachjustiert, es aber nicht ganz weggebracht. Hier würden bessere Rollen oder gar ein Schienenlager Abhilfe schaffen. Allerdings gibt es letzteres für den Neptune 2S nicht, weswegen man was basteln müsste.

Auf Bild #2, dem Boden, ist beim Ender 3V2 eine viel feinere Struktur zu sehen. Auch sind die Kanten frei von Brim-Matrial, das sich beim Neptune 2S schwerer und sichtlich bröckeliger entfernen ließe. Ist aber nur eine Sache der Justierung.

So, ich habe mich bei dem Filament von Bavaria Filaments für die empfohlene Temperatur entschieden. 215°C sollten eigentlich passen. Von hier an, beginnt nun die Würfel-mit-Loch-Phase. Ich werde weiter berichten.

UPDATE #1 - 12.12.2021: Neuer Extruder, Metallstellrädchen und Kalibrierung

Ich habe jetzt vor ca. 1 Woche meinem Ender 3V2 zum einen einen Doppel-Zahnrad-Extruder und Druckbett-Stellrädchen aus Metall gegönnt.

Funktioniert nun alles wunderbar und das Druckbett verstellt sich auch nicht, wenn man mal versehentlich an ein Rädchen drankommt. Allerdings gibt es einen Wermutstropfen - oder auch mehrere. Seitdem ich auf den neuen Doppel-Zahnrad-Extruder umgestellt habe, stimmen meine anfänglich kalibrierten Werte nicht mehr. Dabei sollte das eigentlich keinen großen Unterschied machen!

Nach dem Umbau, habe ich erst mal das Druckbett manuell gelevelt und anschließend ein neues Autobettleveling-Raster angelegt. Danach wie immer der Z-Offset. So... meine Schritte/mm des Extruders hatte ich vorher von 93 auf 85,06 "getuned". Gedruckt hatte ich dann mal zwei Testwürfel mit obigen Standardwerten (u.a. Flow von 90%).

Das sah vor dem Umbau dann so aus:

Nicht großartig viel zu beanstanden oder? Hier uns da ein paar Miniunterextrusionen, im Loch ein Bisschen Stringing und oben die Fläche mit offener Schicht. So, wie man es von einem unkalibrierten Drucker auf der Stufe Fein 0.1 kennt.

Und so nun mit den gleichen Kalibrationswerten mit dem Doppel-Zahnrad-Extruder aus Metall:

Ich hatte vorher schon ein paar gedruckt. Bei dem hier hab ich dann durch setzen der Flussrate (Flow) auf 100% die Miniunterextrusionen wegbekommen. Allerdings bei 3mm Retract immer noch Stringing und Blobs, die man hier leider nicht sieht. Es ist momentan eine echt üble Sache, eine gescheite Kalibrierung hinzubekommen. Nun habe ich die Extruterschritte von 93 auf 139 hochgesetzt (Tipp aus einem Forum) und die Retraction Distanz auf Cura Standard von 6,5mm. Ich bin mal gespannt!

Nachtrag

Dass man die Schritte des Extruders immer anpassen muss, ist nicht immer korrekt. Ich habe nun in der Zwischenzeit etwas rumprobiert. Im Falle eines »Full Metal Extruders« mit 2 Zahnrädern, ist es bei einem niedrigen Wert sogar sinnvoll, mit dem Wert nach oben zu gehen! Scheinbar benötigt diese Extruderart einen Schrittewert von 139. Denn nach dem heraufsetzen von 93 auf 139 druckt er nun wunderbar! Einzig der Z-Offset des Ender bringt mich langsam zur Weißglut (deswegen die grob sichtbaren Schichtlinien). Erst -1,20, dann -1,10 und jetzt -1,08. Da kann man noch so lange das Druckbett vorheizen und trotzdem gibt es immer mal Probleme. Scheinbar ist das Carbon-Glasbett doch nicht so gut.

UPDATE #2 - 15.12.2021 - Druckbettprobleme

Beim Ender 3V2 wird ja diese schnieke aussehende mit Carbonium beschichtete Glasplatte mitgeliefert. Ehrlich gesagt, hat mir diese schon von Anfang an nicht wirklich Behagen bereitet. Die Drucke, die ich bis jetzt durchgeführt habe, haben nie wirklich gut auf der Platte gehalten. Da kann ich reinigen wie ein Wilder und trotzdem haftet vieles nicht. Ich habe es auch immer auf 60°C und trotzdem löst dich immer schnell beim Testwürfel u.a. der Brimkragen und später der ganze Druck. Aus meiner Sicht, ist die Glasplatte Schrott!

Jetzt werde ich es erst mal mit Zuckerwasser und dann mit einem Klebestift probieren. Da kann das "Finish" unten noch so toll sein. Wenn der Druck nicht hält, dann ist dieses "Finish" grob gesagt für den Arsch. Notfalls kaufe ich mir auch so eine Metallplatte, wie ich sie bei meinem Neptune 2S habe. Da haftet alles meist sehr gut.

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