Vorsicht vor Anrufen mit: „Haben Sie noch Ihren Kirby Staubsauger?“

Zweifellos, Kirby Staubsauger sind wirklich gut und sehr robust. Allerdings haben diese Staubsauger ein paar Eigenschaften, die nicht jeder Mag. Er ist schwer, die Filtertüten sind teuer, der Dreck geht direkt über das Flügelrad und der Hilfsantrieb geht schnell kaputt. Deshalb kein Wunder, dass ihn viele loshaben wollen. Doch der Anrufer, hatte scheinbar was anderes vor.

Haben Sie noch Ihren Kirby Staubsauger?

Mit dieser Frage, beginnt das Telefongespräch, nachdem er sich kurz vorstellte. Er würde von Leuten alte Kirby Staubsauger aufkaufen, dieser wieder fit machen und dann weiterverkaufen. So stellte sich der Herr am Telefon meiner Mutter vor. Übrigens, sie hatte sich den Kirby 2007 gekauft, ihn dann aber 2016 in den Keller verbannt, da sie ihn aufgrund ihrer kaputten Hüften nicht mehr nutzen konnte.

Auf jeden Fall machte meine Mutter dann einen Termin mit Herrn Vertreter* aus, der dann gestern zu uns kam. Um es mal vorweg zu sagen, verweilte er satte 4 Stunden bei uns! Erst schaute er sich den Kirby an und testete ihn ein wenig. Joa, in einem sehr guten Zustand, aber der Hilfsantrieb ist kaputt. Okay, hatte ich nicht bemerkt. Dafür habe ich schon vor langer Zeit gesehen, dass die Beleuchtung vorne defekt ist. Als ich ihn darauf hinwies, hatte er keine Ahnung von der Materie. Komisch, ich dachte er habe lt. seiner Aussage lange Zeit bei Kirby gearbeitet?! Na ja, egal, auf jeden Fall hatten wir ihm ein volles Paket mit Aufbewahrungsbox, sämtlichen tollen Zubehör, ungebrauchten Teppichschäumer und zwei Staubbeutelpackungen vorgelegt, von denen eine sogar noch original verpackt war.

Was möchten Sie denn dafür haben?

Danach hatte er uns gefragt, was wir uns denn so vorstellen würden, für wie viel wir ihn ihm veräußern würden. Meine Mutter dachte so an 500-700 EUR; schließlich ist er sehr solide, saugstark, noch gut in schuss und viel Zubehör dabei. Darauf fragte sie ihn, was er sich denn vorstellen würde. Ich soll doch mal auf eBay schauen, wie viel andere für einen Kirby Sentria G10 so verlangen würden, damit er uns – O-Ton – keinen Mist erzählen würde.

Die Preise waren wahrlich nicht hoch und endeten meist bei 199 EUR; wenige gingen über 200. „Sehen Sie, dass ich Ihnen da keinen Mist erzähle. Die Leute wollen den Kirby einfach loswerden und verschleudern ihn schon für solche Preise“, sagte Herr Vertreter. In mir gingen schon langsam die Rollläden runter. Zwischendurch fragte meine Mutter Herrn Vertreter, woher er denn ihre Nummer hätte.

Ich fühl‘ dir mal auf den Zahn.

Dann fing die Erzählung einer großen Odyssee an, dass er mal bei Kirby gearbeitet habe und dort aber aufgrund eines Schlaganfalls, der Stress bedingt war, nicht mehr weiterarbeiten konnte. Der Chef sie ein ziemlicher Reintreiber. Der oberste Chef seines damaligen Chefs sei auch ausgestiegen, der damals in der Akquise bzw. im Management gearbeitet hatte und insgesamt 60 Millionen Euro verdiente – stand damals auch angeblich groß in der Zeitung. Und genau dieser hatte damals sämtliche Telefonnummern und Adressen mitgenommen, um diese dann noch anschließend auf dem Schwarzmarkt zu verhökern. Und daher hatte Herr Vertreter auch ihre.

Irgendwann fing er dann an uns auszufragen, was wir denn so beruflich machen würden und später dann auch, was wir so verdienen. Wir antworteten ehrlich, was vielleicht strategisch nicht gerade clever war, jedoch aufgrund dessen, dass er auch ehrlich war zu uns war – hofften wir zumindest -, waren wir das auch. Ich kann leider nicht alles so detailgetreu nacherzählen, redeten aber mehr über uns als über den Kirby. Als aufmerksamer Mensch, betrachtete ich ihn stets genau und studierte seine Gestik, Mimik und Wortwahl. Ich schaute ihm auch immer mal länger in die Augen um zu erfahren, was er für eine Reaktion er dadurch geben würde. Er lächelte daraufhin immer wieder. Eigentlich eine nette Geste, dennoch begann ich ihn so langsam zu durchschauen.

Und als der Vorhang fällt…

Nach einer Weile und viel Blah Blah stand er dann auf und sagte: „Wenn ich hier jetzt einen Kaffee bekomme und eben draußen was aus dem Auto geholt habe, können wir nochmal über den Verkauf des Kirbys reden.“ Echt frech! Aber es dämmerte uns dann schon, was jetzt kommt.

Während ich ihm einen Latte Macchiato mit meiner tollen DeLonghi Dedica EC 685.W machte, stiefelte er raus zu seinem Auto. In der Zwischenzeit brachte er ein anderes Gerät mit, das vom Design her an die 60er Jahre erinnerte und von einem Hobbyelektroniker hergestellt wurde. Ach du scheiße, dachte ich mir, als hätte ich es nicht geahnt! Es ist ein Dampfreinigungsgerät aus dem mir unbekannten Hause Thermostar. Sah vom Design her aber auch sehr an den Kirby angelehnt aus.

Viel Dampf für zu viel Geld

Schön, dass Herr Vertreter uns mal so ein Bisschen die Fenster saubermachte, den Boden teilweise schrubbte und unsere hart verkrusteten Backbleche reinigte. Er bewarb uns das Gerät als „Trocken-Dampfreiniger“. Ich dachte mir, wie soll das denn gehen? Das ist logisch eigentlich unmöglich, da der Dampf ein Aggregatzustand von Wasser nach hoher Erhitzung ist und immer feucht ist. Es sei denn man würde diese Spezialflüssigkeit aus „bidestilliertem Wasser (um mineralische Rückstände zu verhindern) und hoch reinem Glykolen oder Glycerin“ (Quelle: wikipedia.de) verwenden, das für Nebelmaschinen benutzt wird. Da hier jedoch nur reines Leitungswasser verwendet wird, kann man das gänzlich ausschließen.

Man darf auch kein destilliertes Wasser verwenden, sondern nur Leitungswasser. Nach meinen Recherchen, dass der PH-Wert von destilliertem Wasser 4,5-5 sauer ist, auch kein Wunder, da dieses die Dichtungen und Bauteile angreifen könnte. Normales Leitungswasser hat meist einen PH-Wert von 7-8,5 und ist somit neutral. Aber entkalken muss man das Gerät angeblich auch nicht, da die feinen Kalkteilchen beim erhitzen nach unten fallen. Aha, wenn ich Wasser im Topf koche, verbindet sich der Kalk eigentlich mit dem Wasser. Wird das Wasser kalt, dann ja, aber er haftet sich für gewöhnlich dann am Kessel fest, wie ich es von Dampfbügelstationen kenne. Ich weiß nicht, ob es hier spezielle Beschichtungen gibt, aber ich kann es mir nicht vorstellen, da sich Kalk selbst an Kunststoffen anheftet. Von daher müsse man nur ab und zu mal unten die Ablassschraube öffnen und das Wasser rauslassen. Kann ich gerne machen, der Kalk bleibt trotzdem drin. Da bringen mir die 10 Jahre Garantie auf Kessel und Heizelement auch nichts.

So, und während der Vorführung hatte ich dann auch gesehen, dass der Dampf nicht wirklich so trocken ist, wie unser Herr Vertreter es so propagierte. Es bildete sich trotzdem Feuchtigkeit und vor allem war das Gerät richtig laut! Ich kann mir vorstellen, dass der Dampf nochmal durch ein Filterchen geschickt wird, damit er an Feuchtigkeit verliert und auch kälter wird. Ist aber eigentlich nicht Sinn der Sache bei Dampfreinigern, da sie ja auch Keime abtöten und nicht rumschubsen sollen. Und auch die Feuchtigkeit bei Dampfreinigern ist wichtig, damit die Schmutzpartikel auch nicht rumgeschubst werden, sondern sich ordentlich mit den Wassermolekülen verbinden, damit man sie dann mit einem Tuch – je nach Reinigungsart – entfernen kann. Wäre dann nämlich fast so, als würde man einen Boden nur Saugen und nie feucht wischen.

Man könne auch super damit die Fenster im Auto saubermachen. Meine Mutter meinte dann, dass man ein Kabel rauslegen müsse und ob wir da eins haben. Ja, haben wir. Aber trotzdem kam er mir mit dem Vorschlag, mir eine Kabeltrommel im Baumarkt für 8 EUR zu kaufen. Ah ja, ich soll mir eine Kabeltrommel im Baumarkt für 8 EUR kaufen, mein Leben in Gefahr bringen, weil diese Ramschware nicht mal VDE oder GS geprüft ist und häufig nur CE Zeichen haben, was kein Garant für elektrische Sicherheit ist. Sein toller Trocken-Dampfreiniger ist ja auch GS geprüft. Dann schaute er mich etwas irritiert an und meinte, dass er davon keine Ahnung hätte und nicht mal wüsste, dass das Gerät GS geprüft sei. Dabei klebt vorne groß und breit der Aufkleber auf dem Gehäuse! Und mal so nebenbei: Eine Kabeltrommel für 8 EUR… Da bekomme ich schon eine von z.B. Brennenstuhl für ~15 EUR bei Amazon.de, die zudem TÜV Süd geprüft wurde.

Nette Show! Und was kostet der Spaß?

Schön sauber ist es jetzt an manchen Orten hier. „Und was kostet das Gerät?“, hatten wir gefragt. So wie es dasteht 4000 EUR. Ja… 4000 EUR… für ein bisschen Plastik, Metal und Rollen aus dem Baumarkt für vielleicht 5 EUR pro Stück. Es macht schon ziemlich Dampf mit 6-8 bar und reinigen tut es auch einigermaßen, aber das kann mein SC 1.020 von Kärcher auch – wenn nicht sogar besser. Und der hatte damals nur 80 EUR gekostet!
„4000 EUR ist schon eine ganze Menge Holz“, sagte meine Mutter. „Ja, aber wir kaufen ja Ihre Altgeräte auf“, sagte Herr Vertreter, „Schauen wir mal, was wir so zusammenbekommen.“ Wir hätten mit dem Kirby für 500 EUR, unserem Kärcher, einem Laserdrucker von Brother, einem Raclette-Grill von Aldi/Norma/Lidl und der Heißluftfriteuse von Philips fast 1000 EUR voll bekommen, aber dann hätte das Teil immer noch 3000 EUR gekostet.

Man bot uns dann die Finanzierung an. Er hatte die 72 Monate angepeilt, bei einer Rate von 60 EUR im Monat. Er meinte, dass wir die mit unseren zusammengelegten Auskommen schon übrig hätten. Nein, eben nicht. Vor allem auch nicht, weil ich persönlich keine Notwendigkeit in diesem Gerät sehe und hatte gänzlich abgeblockt.
Da konnte ich schon in seinem Gesicht beobachten, wie sich sein Wesen veränderte und die Aggressivität ans Tageslicht kam. Fing der doch nun tatsächlich an uns einzulullen und darüber zu diskutieren. Er versuchte nun meine Mutter beschwichtigen, die sowieso schon im Zwiespalt war, aber eigentlich auf ihre Finanzen achten muss. Aber es ist ja alles nicht böse gemeint… Die reichen Leute würden ihn ja nicht reinlassen. Hätte ich das gewusst, dann hätte ich ihn auch nicht reingelassen, trotz dessen wir nicht reich sind. Aber die dunkle Seite ist eben hinterhältig und ködert Leute mit fadenscheinigen Gründen. Und natürlich versucht sie dann immer die Mittelschicht oder Ärmsten weiter zu schröpfen.

Viel zu überteuert!

Letztendlich musste Herr Vertreter wieder mit leeren Händen von dannen ziehen und wir bleiben auf unseren Geräten sitzen. Nicht schlimm, denn ich kann den Kirby selber reparieren sowie reinigen. Die anderen Geräte verschimmeln im Keller auch nicht, vielleicht kann man sie ja auch nochmal brauchen. Unser Kärcher macht seine Aufgabe sehr gut und der reicht uns auch.

Der Thermostar Trocken-Dampfreiniger ist gut, zweifellos, aber nicht für den Preis! Denn in der Produktion kostet dieser schätzungsweise vielleicht 100-150 EUR (wenn überhaupt). Und für einen Preis von 120 EUR bekomme ich entweder zwei Kärcher K 2 Basic Hochdruckreiniger oder einen SC 3 Easy Fix. Die mögen zwar nicht so lange Garantie oder ein halbes Metallgehäuse haben, jedoch tun sie sehr gut ihre Arbeit – wenn nicht sogar besser – und das bei guter Pflege sogar auch sehr lange.

* Name abgeändert.

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